Mehr Demokratie bringt Menschen ins Gespräch – Sprechen & Zuhören wirkt in Regensburg

Was passiert, wenn man sich zu politischen Fragen viel Zeit zum gegenseitigen Zuhören lässt? In Regensburg haben knapp 100 Bürgerinnen, Stadträte und OB-Kandidatinnen und Kandidaten genau das ausprobiert. Ohne Podium, ohne Schlagabtausch, ohne vorbereitete Statements. Stattdessen: Sprechen & Zuhören. Und plötzlich ändert sich einiges. Ein Abend, der gezeigt hat, wie lebendig und verbindend Demokratie sein kann, wenn man ihr Raum gibt.

Hut ab, Regensburg!
Knapp 100 Bürgerinnen und Bürger sind gekommen, um Stadtpolitik einmal ganz anders zu erleben: persönlich, offen, ohne Schlagabtausch. Statt Podiumsdiskussion, statt vorbereiteter Statements: Sprechen & Zuhören.

Was passiert, wenn Bürgerinnen, Stadträte und OB-Kandidatinnen und Kandidaten sich ausführlich zuhören? Wenn niemand unterbrechen darf, wenn Zuhören wichtiger ist als Rechthaben? Der Abend im Regensburger „Leeren Beutel“ hat gezeigt: Dann passiert etwas.

„Ich habe mich dabei ertappt, dass ich den Politiker in meiner Gruppe von vornherein in eine Schublade gesteckt hatte. Von Runde zu Runde passte er immer weniger da hinein. Ich habe einen neuen Eindruck von ihm gewonnen.“
(Teilnehmerin)

Auch die politischen Teilnehmenden waren spürbar erleichtert:

„Podiumsdiskussionen sind ehrlich gesagt oft langweilig. Man kennt die Fragen und weiß, was kommt. Sprechen & Zuhören ermöglicht Begegnung auf einer ganz anderen, persönlicheren Ebene.“
(Kommunalpolitiker)

Ein Raum für echte Gespräche

In Regensburg kamen Bürgerinnen, Stadträte und OB-Kandidatinnen und Kandidaten in kleinen, gemischten Gruppen zusammen. Der Ablauf war einfach und klar: Jede Person bekommt Zeit zu sprechen, niemand wird unterbrochen, niemand muss sofort antworten. Das kann viel verändern... Die Gespräche werden persönlicher, ehrlicher, überraschender und oft auch verbindender.

Themen gab es genug: Wohnen, Integration, Kinderbetreuung, die anstehende Wahl, das Gefühl von Ohnmacht, aber auch Stolz auf die eigene Stadt. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie zum ersten Mal seit Langem das Gefühl hatten, gehört zu werden und andere besser zu verstehen.

Demokratie zum Anfassen

Als die Idee aufkam, eine solche Dialogkultur auch im Stadtrat auszuprobieren, gab es zunächst verlegenes Lächeln. Doch warum eigentlich nicht? Der Abend zeigte: Es geht. Und es tut gut.

Kein Wunder, dass sich Sprechen&Zuhören seit zwei Jahren rasant in bayerischen Kommunen verbreitet und gerade im Wahlkampf ein neues, vielversprechendes Format für demokratische Begegnung ist.

Organisiert wurde der Abend von BPW (Business and Professional Women Regensburg e.V.) in Kooperation mit Mehr Demokratie e.V., moderiert von Kristina Henryund Sabine Heiß. 

Beim anschließenden offenen Austausch bei Snacks und Getränken wurde weitergeredet, gelacht, vernetzt  und viele gingen mit dem Gefühl nach Hause: So kann Demokratie sich anfühlen.