Jugendzentrum in Nürnberg vom Landtag als „Ort der Demokratie in Bayern” ausgezeichnet

Über ein Treffen, das drei Jahre später im erfolgreichen Volksentscheid „Mehr Demokratie in Bayern” mündete

Der Bayerische Landtag hat das Jugendzentrum für politische Bildung in Nürnberg im März 2026 als „Ort der Demokratie in Bayern“ ausgezeichnet. Gewürdigt wird damit ein besonderer Ausgangspunkt bayerischer Demokratiegeschichte. Denn dort im Jugendzentrum in der Nürnberger Altstadt kam es zum ersten Treffen für das Volksbegehren „Mehr Demokratie in Bayern“, mit dem sich die bayerische Bevölkerung im Jahr 1995 das Recht auf direkte Demokratie und Mitbestimmung auf kommunaler Ebene erkämpfte.

Alles begann am 25. Oktober 1992 mit 18 Engagierten in Nürnberg. Aus diesem Treffen entwickelte sich die Initiative, die am 3. April 1993 offiziell als Verein „Mehr Demokratie in Bayern“ gegründet wurde – Vorläufer des heutigen Fachverbands Mehr Demokratie. Danach wurden Gesetzentwürfe erarbeitet, Aktionskreise im ganzen Freistaat aufgebaut und sogar der Omnibus für Direkte Demokratie war wochenlang in Bayern unterwegs. Der Einsatz trug: Beim Volksbegehren vom 6. bis 19. Februar 1995 trugen sich knapp 1,2 Millionen Menschen ein, also 13,7 Prozent der Wahlberechtigten im Freistaat. 

Der entscheidende Durchbruch folgte am 1. Oktober 1995: Beim Volksentscheid setzte sich der Gesetzentwurf von „Mehr Demokratie in Bayern“ mit 57,8 Prozent gegen den Entwurf des Landtags mit 38,7 Prozent durch. Seitdem ist in der Bayerischen Verfassung verankert, dass die Bürgerinnen und Bürger viele Angelegenheiten in ihren Gemeinden und Landkreisen durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheide regeln können.

Und das tun sie in reger Praxis: Laut Bürgerbegehrensbericht 2025 vom Fachverband Mehr Demokratie e.V. ist Bayern mit knapp 40 Prozent aller kommunalen direktdemokratischen Verfahren bundesweiter Spitzenreiter. Allein im Jahr 2024 wurden im Freistaat 93 neue direktdemokratische Verfahren eingeleitet, und seit Einführung von Bürgerbegehren und Ratsbegehren im Jahr 1995 gab es in Bayern insgesamt 3.695 solcher Verfahren. Dass all das mit einem Treffen von 18 Menschen in Nürnberg begann, ist eine schöne Erinnerung daran, wie groß die Wirkung eines kleinen Anfangs für mehr demokratische Mitbestimmung sein kann.

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