Mehr Demokratie bekräftigt Forderung nach einem Bayern Bürgerrat zur Aufarbeitung der Corona Pandemie

Nach dem Vorstoß der Grünen im Bayerischen Landtag fordert Mehr Demokratie e.V. einen repräsentativ gelosten Bürgerrat zur Aufarbeitung der Corona-Politik. Ziel: Die Erfahrungen und Konflikte der Bevölkerung transparent einbeziehen und konkrete Lehren für künftige Pandemien ziehen.

Die Grünen-Fraktion hat am 10. Februar 2026 im Bayerischen Landtag beantragt, die Corona-Pandemie und die Schutzmaßnahmen in einem repräsentativ gelosten Bürgerrat aufzuarbeiten. Mehr Demokratie e.V., Fachverband für direkte Demokratie und Bürgerräte, fordert seit Jahren, dass die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg geschehen sollte. “Bürgerräte sind als Impulsgeber für ein Parlament bestens geeignet, um eine gesellschaftlich so bewegende Frage aufzuarbeiten und Lehren für die Zukunft zu ziehen”, sagt Stefan Bauer, Landesvorstand von Mehr Demokratie in Bayern.

Teilnehmende eines Bürgerrats werden per Los ausgewählt. Sie treffen sich analog oder digital zu mehreren unabhängig moderierten Sitzungen, um transparent und faktenbasiert zu diskutieren. Zum Schluss kann der Bürgerrat einem Parlament wie dem Bayerischen Landtag mehrheitlich beschlossene Empfehlungen überreichen. Der Prozess macht vielfältige Stimmen hörbar, tieferliegende Konflikte sichtbar und Demokratie direkt erlebbar.

Der Vorstoß der Grünen knüpft an einen ähnlichen Antrag derselben Fraktion aus dem Jahr 2024 an, der damals von einer Mehrheit im Landtag abgelehnt wurde. Gleichzeitig hatte die damalige Ampel-Regierung auf Bundesebene einen Bürgerrat zur Corona-Zeit in Erwägung gezogen. Stattdessen läuft nun seit September 2025 eine Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung.

Mehr Demokratie sieht jedoch gute Gründe für das Format eines Bürgerrats: Hier kommen auch Alltagsstimmen der Bürgerinnen und Bürger zu Wort, das heißt die Aufarbeitung geschieht nah an der Bevölkerung – auch und gerade durch die Augen einer gestressten Krankenschwester oder eines isolierten Jugendlichen. Auf diese Weise können Bürgerräte die repräsentative Demokratie ergänzen ­– gerade in so unmittelbar betreffenden und einschneidenden Themen wie Gesundheitsschutz und Freiheitseinschränkungen während einer Pandemie.

Und das Format hat sich international und in Deutschland bewährt: 2025 wurden in Deutschland 58 Bürgerräte gestartet oder beendet, 30 weitere geplant; insgesamt gab es bisher gut 400 solcher Verfahren. Auch zur Corona-Pandemie liefen bereits erfolg- und erkenntnisreiche Bürgerräte, zum Beispiel in Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. In Bayern war Augsburg sogar die erste Stadt in ganz Deutschland, die per Losverfahren Bürgerinnen und Bürger in die Beratung über Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie einbezogen hat.

Juina Wessel, Vorständin des Landesverbands Bayern und „Sprechen und Zuhören“-Moderatorin, berichtet aus ihrer Erfahrung: “In Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern in Bayern erlebe ich immer noch sehr viel Wut und zum Teil Verzweiflung über die damals beschlossenen Corona-Maßnahmen.” Die psychische Belastung durch das Wegfallen der Existenzgrundlage, Vereinsamung und Streitigkeiten im Familien- oder Freundeskreis würden noch heute nachwirken, so Wessel. Es sei wichtig, diesen Schmerzpunkten Raum und Anerkennung zu geben, aber auch positive Lehren zu ziehen was gut lief, um als Gesellschaft für die nächste Pandemie gut vorbereitet zu sein.

Weitere Informationen zu Bürgerräten und Corona:

- Der Bericht “Bürgerräte 2025: Rückschau und Ausblick”: www.mehr-demokratie.de/publikationen/buergerraete-2025-rueckschau-und-ausblick

- https://www.buergerrat.de/aktuelles/mit-buergerraeten-gegen-corona/